Freitag, 19. September 2014

adam alien
auf dem weg zur schule
hat sich im planetensystem verlaufen
wartet in amsterdam in irgendeinem schaufenster
auf den nächsten bus
nachhause

Montag, 14. Juli 2014

Absturz
















Es stürzte vor Jahren
aus schwindelnden Höhen 
ein Gefühl auf den Boden der Tatsachen.

Es wusste nicht um die Gefahren
um die Winde und Böen,
die aus Gefühlen Leichen machen.

Es tanzte am Abgrund
wollte den Vögeln gleich 
bis zur Sonne fliegen.

Es schlug sich alle Glieder wund
blieb wimmernd und bleich
auf dem Grund meines Herzens liegen.

Flieg, rief ich, flieg
doch sein Leben verrann
und es schloss seine Lider
bis es still schwieg.
Ich flüsterte, wann
wann kehrst du denn wieder?
Nimmermehr...

Dienstag, 22. April 2014

Zwischenwelt

In der Welt existiert eine Welt
in der Finger zu Füßen werden
Symbole ersetzen Gebärden
und es gefällt
die Welt im Bildschirm zu sehen
ans andere Ende zu gehen
ohne aufzustehen.

Es ist angenehm bequem
sich irgendwo hinzudenken
irgendwie abzulenken
Nichtigkeit, Glück und Problem
in Bildern und Zeilen
mit Artgenossen zu teilen
in einer Zwischenwelt zu verweilen.

Alles ist möglich
doch nichts ist gewiss
außer der nackten Erkenntnis
diese Welt ist endlich
belebt nur in dem Moment
in dem ein Anderer Argument
oder Amüsement erkennt.

Diese Welt übersteht
so kaum eine Nacht
was heute gedacht
ist morgen verweht
nur noch Teil einer Chronik
die keiner mehr liest
sobald der Augenblick
das Fenster schließt.

Samstag, 15. März 2014

Nächtliche Besuche

Nächtliche Besuche

Du kamst in meinen Traum gekrochen
als hättest du den Wunsch gerochen
den jeder tiefe Atemzug...

schwer seufzend in die Nachtluft trug.

Ich konnte deinen Atem spüren
und deine warme Haut berühren
doch wollte ich dich halten
schlug mein Traum plötzlich Falten.

Ich sah dich in des Mondes Licht
doch dein Gesicht, das sah ich nicht.
Der Rausch währte nur diese Nacht
hab dich ja nur im Traum erdacht.

Am Morgen warst du nicht mehr da
was heute Nacht ganz still geschah
wird ewig mein Geheimnis sein
am Abend schlaf ich wieder ein…
allein…

Donnerstag, 6. März 2014

Tagebuch, Memoiren, Kleiderschneiderei...

Es gab eine Zeit, in der ich versuchte Tagebuch zu schreiben. Weil auch ich irgendwie diesen vertrauten geheimen Freund haben wollte, dem ich alles anvertrauen kann.
Aber es blieb bei ein paar kläglichen Versuchen. Das Alltägliche erschien mir zu banal, als dass es wert gewesen wäre die schönen, filigran mit Efeuranken verzierten Seiten mit Trivialität zu besudeln. Und für das wirklich Große schienen mir meine Worte zu einfältig.

Irgendwie wusste ich nicht wie das ging. Ich hatte das Gefühl etwas tun zu müssen, für das ich nicht bereit war. Vielleicht muss ich das hiermit - irgendwie - nachholen.
Heute ärgere ich mich, dass ich nicht die Ausdauer hatte beständig ein paar Stichworte darüber festzuhalten, wer ich damals war, wer ich sein wollte und somit auch, wie ich die wurde, die ich heute bin.
So bleiben mir nur die verwaschenen, bruchstückhaften Erinnerungen, die sich zu einem mehr oder weniger realistischen Bild meiner Vergangenheit puzzeln. An manchen Stellen ist das Bild klar und deutlich, überzeichnet, grelle Farben schreien mich an; verlieren sich anderswo in dichten lichtlosen Schwaden, wabern wie grauweißer Nebel über die Leinwand, hinter dem kaum Umrisse zu erkennen sind. Wo, wer, mit wem war ich da? Entweder ich war zeitweise völlig weggetreten, oder es ist der ganz normale Lauf der Zeit Details zu verdrängen, zu vergessen… Aber warum schaffen es Menschen immer wieder ein detailliertes Werk ihres Lebens zu verfassen, genannt Memoiren? Wahrscheinlich hübscht sich ein jeder Erinnerungen mit gut klingenden Anekdoten auf.
Ich kann kaum glauben, dass man sich an derart viele Details erinnern kann. Jeder besitzt eine Art Verdrängungsmechanismus, der mehr oder weniger erfolgreich Erlebnisse, Erfahrungen, Gefühle und Gedanken in ein Kostüm kleidet, das einigermaßen passt; mit dem es sich gut gehen lässt, ohne, dass ständig etwas kratzt, ziept oder scheuert.
Doch wächst der Mensch beständig – vor und zurück, in die Breite, Höhe, Tiefe – und dies bedarf hin und wieder einen Kleider- und Kostümwechsel. Und wer sich sein Leben nicht als Fertiggericht im Supermarkt kaufen will, muss selbst Hand anlegen, Nadel und Faden in die Hand nehmen und lernen aus alten Flicken und neuen Stoffen ein Gewand zu schneidern, das ihn wärmt, schützt, umschmeichelt, und hoffentlich noch viel Platz bietet einem Frierenden ein Stück abzugeben.
Ich versuche noch immer zu lernen, wie sich die Stücke zu einem Ganzen zusammenfügen lassen, ohne dass hier und da eine Naht reißt.

Vielleicht bin ich heute bereit… zu erinnern, zu puzzeln, zu malen, zu nähen…

Samstag, 8. Februar 2014

Alma... oder Die Tugendlose


   Bild: Alma Mahler @ wikipedia


Ich bin Manchen Heilige, Manchen Hure
denn ich liebe das Leben, das pure
das wie Feuer in meinen Adern brennt
weder Zwänge noch Grenzen kennt.

Ich trage Male auf Herz und auf Haut
bin Manchen zu schamlos und Manchen zu laut.
Ich zeige offen, was sie verbergen
verwahren in versiegelten Särgen
vor denen sie betend kauern
um ihr lebloses Leben zu betrauern.

Ich bin die, die beharrlich am Alltag aneckt
tote Wahrheiten zum Leben erweckt,
die Leib und Seele erschüttert und schmerzt
mit Lastern laut feiert und scherzt.
 
Ich bin die, die das Verbotene entblößt
so Manchem schmerzhaft vor den Kopfe stößt
nicht weil diesem das Geächtete fremd
sondern weil er sich für den Hunger schämt
und für die Gier verbotene Früchte zu pflücken
um sich maßlos an ihrer Süße zu entzücken.

Ich tu Dinge, die man einfach nicht tut
schwimme rastlos gegen die träge Flut
trage Kleider, die hier keiner trägt
weil ein jeder stets denkt und abwägt
ob dies eventuell, vielleicht oder nicht
den Gebräuchen und Sitten entspricht.

Kaum einer sieht den Mensch unterm Kleid
sieht mit Bestürzung, nicht selten mit Neid
dass noch Etwas in der Welt existiert,
das das Diktat der starren Sitten eliminiert,
und das Leben mit Attraktionen füttert
die diese Welt  in ihren Grundfesten erschüttert.

Vielleicht bin ich wahrlich die Lasterhafte
die es zeitlebens nicht schaffte
ihr Leben der Tugend zu weihen
und ein scheinbar guter Mensch zu sein.

Doch egal was Manche sehen oder denken
und welche Ideen deren Gedanken lenken
bin ich in prächtigem Gewand und auch ohne
mit Besen, Schürze oder mit Krone
ganze unverstellt  und eigentlich
nur mein ehrliches eigenes Ich.


Mittwoch, 22. Januar 2014

Rausch


Es gibt vortreffliche Gründe
dem Liebreiz der Sünde
zu unterliegen;
irgendwo abzubiegen
ohne Plan und ohne Pflicht
bei schummrigem Kerzenlicht
des Alltags‘ Gewand...
an den Haken zu hängen
und mit durstiger Hand
den Ernst des Lebens zu verdrängen.